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KleverlÀndisch
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KleverlĂ€ndisch, verschiedentlich (mit sprachverwandten niederlĂ€ndischen Idiomen zusammengefasst) auch als NordniederfrĂ€nkisch bezeichnet, ist eine Dialektgruppe innerhalb des NiederfrĂ€nkischen, die zum kontinentalen westgermanischen Dialektkontinuum gehört. Es befindet sich nördlich der Uerdinger Linie und ist innerhalb Deutschlands und der Niederlande mit dem SĂŒdniederfrĂ€nkischen verbunden. Mit unter wird ihm auch Ostbergisch zugerechnet, was aus aktueller germanistischer Sicht nicht mehr als zutreffend angesehen wird. Dieses bildet vielmehr von Norden nach SĂŒden eine Interferenzzone des Ripuarischen zu den benachbarten westfĂ€lischen Dialekten.

Seit 1997 sind die in der niederlÀndischen Provinz Limburg gesprochenen nordniederfrÀnkischen Dialekte nach der EuropÀischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen in den Niederlanden als Regionalsprache anerkannt.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2]

Contents

‱ Mittelalter
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Dachsprachen

KleverlĂ€ndisch stand infolge seiner wechselreichen Geschichte bis ins ausgehende 19. Jahrhundert unter starkem Einfluss der niederlĂ€ndischen Sprache und wurde von dieser ĂŒberdacht. Infolgedessen orientierte sich der Dialekt, sofern dieser zur schriftlichen Kommunikation diente, an niederlĂ€ndischer Grammatik und Orthografie.

Über den engen Grad der Verwandtschaft zwischen dem Niederrheinischen (damalige Bezeichnung fĂŒr KleverlĂ€ndisch) und dem NiederlĂ€ndischen schrieb der Germanist Willy Sanders:

„Die engen Beziehungen des Niederrheinischen zum heutigen NiederlĂ€ndischen haben ihren natĂŒrlichen Grund im gemeinsamen niederfrĂ€nkischen Sprachcharakter. Im Verein mit der frĂŒheren Verflechtung politisch-territorialer Art (etwa des Herzogtums Geldern mit seinen vier ‚Quartieren‘ Roermond, Nijmegen, Arnhem, Zutphen) fĂŒhrte dies dazu, daß am linken Niederrhein noch bis in unser Jahrhundert ein dem NiederlĂ€ndischen engverwandter Sprachtyp, volkslĂ€ufig eben ‚NiederlĂ€ndisch‘, gesprochen wurde.“cite-ref-3[3]

Der Germanist Theodor Frings dachte diesbezĂŒglich sogar weiter. Er forderte die generelle Eingliederung des Niederrheinischen ins NiederlĂ€ndische:

„Man sollte das Niederrheinische nördlich der Linie der Lautverschiebung, also in Geldern, Mörs, Kleve, zum NiederlĂ€ndischen schlagen.“cite-ref-4[4]

Mittelalter

Im Mittelalter gehörte der Niederrhein zu jenen Gebieten, in denen die MittelniederlÀndische Sprache verwendet wurde. Im 15. Jahrhundert begann der Vormarsch des Mitteldeutschen, genauer des Altkölnischen, und ab dem 16. Jahrhundert des Hochdeutschen in Teilen des niederfrÀnkischen Sprachgebiets.

16. Jahrhundert

Johann Wassenberch war ein Duisburger Johanniterkaplan, der auf kleverlĂ€ndisch schrieb. 1544 hatte Köln das Gemeine Deutsch fĂŒr seinen Herrschaftsbereich eingefĂŒhrt. Damit dehnte sich die moderne deutsche Schriftsprache auch nach Norden und Westen aus. Köln dehnte seinen sprachlichen Einflussbereich bis weit in die spĂ€teren Niederlande aus. So entstand im 16. Jahrhundert eine neue Ausgleichsgrenze zwischen dem Kölner Ripuarischen und den niederfrĂ€nkischen Dialekten und in der Folge die heutigen sĂŒdniederfrĂ€nkischen Dialekte, die zwischen dem Nordnieder- und MittelfrĂ€nkischen standen und reine Übergangsdialekte darstellten.

Aber die EinfĂŒhrung der deutschen Schriftsprache endete an den Grenzen der Habsburgischen Niederlande, zu denen das Haus Habsburg zwischen den Jahren 1524 und 1543 auch die nördlichen Provinzen erwerben konnte. In diesem „burgundischen“ Erbe war das Französische die bedeutende Kultursprache. In den sieben Nordprovinzen hatte allerdings eine niederfrĂ€nkisch/niederlĂ€ndische Schriftsprache bedeutend an Einfluss gewonnen, die auf den Dialekten der Provinzen Holland und Brabant fußte und die im 16. Jahrhundert weit in den Raum des Niederrheins ausstrahlte (Brabanter Expansion). So standen die kleverlĂ€ndischen sowie teilweise auch die westfĂ€lischen Dialekte des WestmĂŒnsterlandes und darĂŒber hinaus stark unter dem Einfluss der brabantisch-hollĂ€ndischen Schriftsprache.

17. Jahrhundert

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die politischen Grenzen am Niederrhein neu gezogen. Im Jahr 1614 konnte Kur-Brandenburg seine ersten Besitzungen am Niederrhein erwerben, wo es unter anderem sein Erbe im Herzogtum Kleve antrat.

Im Frieden von Utrecht 1713 wurde das habsburgische Oberquartier Roermond des alten Herzogtums Geldern (seit 1543 bei Habsburg) unter seinen Nachbarn aufgeteilt:

‱ Preußen erhielt den grĂ¶ĂŸten Teil des Oberquartiers. Es erhielt die Ämter Kessel (mit den grĂ¶ĂŸeren Gemeinden Kessel, Venray, Horst, Sevenum, Well, Afferden und Middelaar), Straelen, Geldern (mit den grĂ¶ĂŸeren Gemeinden Geldern und Rayen), Wachtendonk und Krickenbeck mit der Exklave Viersen. Diese Gebiete bildeten das Preußische Oberquartier.
‱ Die Niederlande erhielten den grĂ¶ĂŸten Teil des Amtes Monfort mit den Exklaven Venlo, Beesel und Nieuwstad. Dieses Gebiet bildete das Statische Oberquartier.
‱ Das Haus Habsburg konnte nur einen kleinen Teil des Amtes Monfort fĂŒr seinen Machtbereich behalten. Es behielt die Gemeinden Roermond, Swalmen, Elmpt, NiederkrĂŒchten und Wegberg. Daneben wurden die Gemeinden Meijel, Nederweert, Weert, Wessem, Kessenich, Obbicht, Herten und Maasniel erworben. Diese Gebiete bildeten das nun Österreichische Oberquartier (siehe auch Österreichisch Geldern).
‱ Das Herzogtum JĂŒlich konnte die Enklave Erkelenz erwerben und eingliedern, die zuvor zum Amt Monfort gehört hatte. Dieses Gebiet wurde auch als JĂŒlisches Oberquartier bezeichnet.

Mit der Eingliederung der niederrheinischen Gebiete in Preußen wurde dort formal auch das Deutsche als Schriftsprache eingefĂŒhrt. Aber das Deutsche konnte sich in diesen Gebieten nur unterschiedlich durchsetzen. Das Niederrheingebiet sowie das zu Köln gehörende Amt Rheinberg standen damit Ende des 18. Jahrhunderts unter Konkurrenz zweier Hoch- und Kultursprachen, wĂ€hrend in der Grafschaft Moers einschließlich der damals im Vergleich zu heute noch kleinen StĂ€dte Krefeld und Duisburg nur das Deutsche galt.

Das rechtslippische Gebiet des ehemaligen Herzogtums Kleve war bereits zweisprachig. Neben dem Deutschen wurde auch NiederlÀndisch benutzt; nur in der damaligen Beamtenstadt Wesel und deren Umland wurde allein das Deutsche verwendet. Das Klever Gebiet zwischen Lippe und Maas war ebenfalls zweisprachig, wobei hier dem NiederlÀndischen eindeutig der Vorzug gegeben wurde. Allein die Stadt Kleve und die PfÀlzersiedlungen waren von der deutschen Schriftsprache dominiert.

Im Bereich des einstigen Herzogtums Geldern dominierte das NiederlĂ€ndische gegenĂŒber dem Deutschen. Im gelderischen Oberquartier spielte die Maas bereits die Rolle einer Sprachgrenze: WĂ€hrend das Gebiet links des Flusses mit den Orten Venray und Horst fast ausschließlich nur NiederlĂ€ndisch verwendete, so gebrauchte man rechts der Maas und in der Enklave Viersen bereits auch das Deutsche in begrenztem Rahmen. Dieses Gebiet war demnach nur ĂŒberwiegend niederlĂ€ndischsprachig. Die gelderischen Niederquartiere (welche heute im Wesentlichen die niederlĂ€ndische Provinz Gelderland ausmachen) verwendeten nur das NiederlĂ€ndische.

Das zu Köln gehörende Amt Rheinberg war zu jener Zeit ebenfalls zweisprachig, wobei aber dem Deutschen der Vorzug gegeben wurde. Die ehemalige gelderische Enklave Erkelenz verwendete im Gegensatz zum ĂŒbrigen Herzogtum JĂŒlich ĂŒberwiegend NiederlĂ€ndisch.

19. Jahrhundert

Zwischen 1803 und 1810 wurde das Niederrheingebiet dem französischen Kaiserreich eingegliedert. Das linksrheinische Gebiet wurde 1806 dem Departement Roer und das rechtsrheinische mit Ausnahme der Stadt Wesel in das Departement Lippe eingegliedert. Wesel und dessen Umland wurde dem Roer-Departement zugeschlagen. Das rechtsrheinische Gebiet wurde in demselben Jahr an das neuernannte und vergrĂ¶ĂŸerte Großherzogtum Berg angeschlossen. Dieses Gebiet wurde jedoch bereits 1810 vom französischen Kaiserreich annektiert und eingegliedert.
Das Deutsche wurde infolgedessen auch durch das Französische als Amtssprache abgelöst. Die Niederrheiner favorisierten ihrerseits das NiederlĂ€ndische, das sich nun wieder als Dachsprache durchsetzen konnte. Dabei wurde das Deutsche sogar aus jenen niederrheinischen Gebieten zurĂŒckgedrĂ€ngt, in denen es vorher ĂŒberwiegend benutzt wurde.

1815 wurden, als Folge des Wiener Kongresses, die Grenzen am Niederrhein und der Maas neu gezogen. Das erneut an Preußen angegliederte Niederrheingebiet bildete nun die Provinz JĂŒlich-Kleve-Berg, und dort wurde Deutsch als alleinige Hochsprache verordnet. 1824 wurde diese Provinz mit der sĂŒdlich gelegenen „Provinz Niederrhein“ zur neuen Rheinprovinz zusammengeschlossen. 1827 wurde NiederlĂ€ndisch als Kirchensprache auf DrĂ€ngen Preußens vom Bischof von MĂŒnster verboten. Ein Jahr spĂ€ter durfte in den Schulen von Preußisch-Obergeldern aufgrund einer Verordnung der RegierungsprĂ€sidenten nur noch auf Hochdeutsch unterrichtet werden. Mit dem Versuch des preußischen Staates, den Niederrhein zu Gunsten des Deutschen einsprachig zu machen, und der sich bei diesem Vorhaben auf den RĂŒckhalt der römisch-katholischen wie der evangelischen Kirche sicher sein konnte, reagierte die Bevölkerung mit einem verstĂ€rkten Festhalten am NeuniederlĂ€ndischen, das wenig spĂ€ter durch das moderne StandardniederlĂ€ndische ersetzt werden sollte. Katholiken und Reformierte forcierten nun den ausschließlichen Gebrauch des NiederlĂ€ndischen: WĂ€hrend die Reformierten (vor der EinfĂŒhrung des StandardniederlĂ€ndischen) eine hollĂ€ndisch-brabantische Variante forcierten, verwendeten die Katholiken eine flĂ€misch-brabantische, womit sie der offiziellen Sprachpolitik der römisch-katholischen Kirche in Deutschland widersprachen.

In den Revolutionsjahren 1848/49 wurde von staatlicher Seite versucht, das NiederlĂ€ndische gezielt aus diesem Gebiet zurĂŒckzudrĂ€ngen. Das NiederlĂ€ndische war nur noch als Kultur- und Kirchensprache der Reformierten zugelassen.

Zwischen den Jahren 1817 und 1866 wurde in Preußen eine Evangelische Landeskirche (Unierte Kirche) etabliert, die die lutherische und die reformierte Lehre vereinigte. Infolgedessen war am Niederrhein auch der reformierte Gottesdienst allein auf Deutsch abzuhalten, und das NiederlĂ€ndische verlor dadurch in dieser Region langsam seinen einstigen Rang.

Nach der deutschen ReichsgrĂŒndung (1871) war am Niederrhein bei allen Behörden und Ämtern nur noch der Gebrauch des Deutschen zugelassen. Zuvor wurde NiederlĂ€ndisch in manchen Gemeinden noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Schulsprache verwendet oder neben dem Deutschen als Zweitsprache gelehrt. So war es bis etwa 1860 am Niederrhein noch möglich, bei Behörden und Ämtern Gesuche und Ă€hnliches auf NiederlĂ€ndisch einzureichen. Um die Jahrhundertwende galt der Niederrhein als einsprachig deutsch.

20. Jahrhundert

Um die Jahrhundertwende hatte sich das Deutsche am Niederrhein als dominante Dachsprache durchgesetzt und das NiederlÀndische abgelöst. Allein die Gruppe der Altreformierten gebrauchte noch NiederlÀndisch als Kirchensprache, bis dieses 1936 von den Nationalsozialisten abgeschafft wurde.

Begrenzung nach Isoglossen

Die Abgrenzung des KleverlĂ€ndischen zu anderen verwandten Idiomen ist Ă€ußerst schwierig. So sind beispielsweise die sprachlichen Unterschiede zwischen dem KleverlĂ€ndischen und den benachbarten Dialekten in einem brabantisch-gelderischen Übergangsgebiet in den Niederlanden gering, sodass man heute beide Sprachvarianten mitunter zusammenfasst.

Aber auch eine Abgrenzung zum Brabantischen ist schwierig, da dieses vor allem seit dem 16. Jahrhundert einen großen Einfluss auf den Niederrhein hatte. So wurden verschiedentlich KleverlĂ€ndisch und Brabantisch unter dem Oberbegriff „Brabantisch“ zusammengefasst.

Heute werden zur Abgrenzung des KleverlĂ€ndischen von verwandten Idiomen hauptsĂ€chlich Isoglossen verwendet: Neuere Forschungen zeigen, dass die tatsĂ€chliche Grenze zwischen den Dialektgruppen KleverlĂ€ndisch und SĂŒdniederfrĂ€nkisch höher als die Uerdinger Linie (ik/ich-Isoglosse) sĂŒdlich von Venlo ist, zwischen Venray und Horst.cite-ref-5[5]

Manchmal wird dafĂŒr aber, vor allem in den Niederlanden, auch die Diest-Nijmegen- oder houden/halten-Linie (nach der ou/al-Isoglosse) genommen. Diese Isoglosse trennt nach Ansicht der niederlĂ€ndischen Germanisten das KleverlĂ€ndische vom benachbarten Brabantischen und den anderen niederlĂ€ndischen Dialekten. HierfĂŒr wird bei den deutschen Germanisten mehrheitlich die ij/ie-Isoglosse (sogenannte mijn/mien-Linie) benutzt, die auch als ijs/ies-Isoglosse bekannt ist. Die sich nach Norden abschwĂ€chende Einheitsplurallinie (sogenannte „WestfĂ€lische Linie“) schließlich trennt das KleverlĂ€ndische vom NiedersĂ€chsischen. Der Rheinische FĂ€cher ist die Sammlung der Isoglossen die die Sprachgrenzen zwischen den mittelfrĂ€nkischen und kleverlĂ€ndischen Sprachen untereinander und zu den umgebenden SprachrĂ€umen beschreibt. Seine nördlichste, die Einheitsplurallinie, gilt nach Norden und Osten als die Grenze zu den WestfĂ€lischen Mundarten, wĂ€hrend die Uerdinger Linie quer durch den ripuarischen Sprachraum verlĂ€uft, ebenso wie die Benrather Linie.

Sprachbeispiele

‱ „Ek heb noch efkes afgewaachd, ob dat, wach’e min seggen wold.“

‱ „Ich habe noch kurz abgewartet, was du mir sagen wolltest.“
‱ (Ndl.) „Ik heb nog even afgewacht (op dat) wat je (ge) me zeggen wou.“

‱ „En den Wenter stĂŒwe di drööge BlÀÀr dörr de locht eröm“ (Georg Wenker Satz 1)

‱ „Im Winter fliegen die trockenen BlĂ€tter in der Luft herum.“
‱ (Ndl.) „In de winter waaien (stuiven) de droge bladeren rond in de lucht.“

‱ „Et sall soon ĂŒttschaije te shnejje, dann werd et wÀÀr wer bĂ€ter.“ (Wenker Satz 2)

‱ „Es hört gleich auf zu schneien, dann wird das Wetter wieder besser.“
‱ (Ndl.) „Het zal zo ophouden (uitscheiden) met sneeuwen, dan wordt het weer weer beter.“

‱ „Hej es vörr vier of sĂ€ss wÀÀke gestörwe.“ (Wenker Satz 5)

‱ „Er ist vor vier oder sechs Wochen gestorben.“
‱ (Ndl.) „Hij is vier of zes weken geleden gestorven.“

‱ „Het fĂŒĂŒr was te hĂ€tt, die kuuke sinn ja an de onderkant heel schwaort angeschröt.“ (Wenker Satz 6)

‱ „Das Feuer war zu heiß, die Kuchen sind ja unten ganz schwarz gebrannt.“
‱ (Ndl.) „Het vuur was te heet, de koeken zijn aan de onderkant helemaal (geheel) zwart aangebrand (aangeschroeid).“

‱ „Hej dĂŒtt die eikes ömmer sonder salt Ă€n pÀÀper ÀÀte.“ (Wenker Satz 7)

‱ „Er isst die Eier immer ohne Salz und Pfeffer.“
‱ (Ndl.) „Hij eet de eitjes altijd zonder zout en peper.“

Mundart und Schriftsprache

Im 12. Jahrhundert kam im Rhein-Maas-Dreieck – dem Gebiet, in dem heute die nord- und die sĂŒdniederfrĂ€nkische Mundarten gesprochen werden – die heute so genannte rheinmaaslĂ€ndische Schriftsprache auf. Diese wies zwar viele Elemente der regionalen Mundarten auf, ist aber nicht mit diesen gleichzusetzen. Das KleverlĂ€ndische und das SĂŒdniederfrĂ€nkische waren die gesprochene Sprache der – oft schreibunkundigen – einfachen Leute; die rheinmaaslĂ€ndische Schriftsprache dagegen war die geschriebene Sprache der gehobenen StĂ€nde und Kanzleien. Die rheinmaaslĂ€ndische Schriftsprache hatte Latein als Schreibsprache weitgehend abgelöst, bis es ab dem 16. Jahrhundert an Bedeutung verlor; einerseits zugunsten des sich ĂŒber Köln nach Norden ausbreitenden „Hochdeutschen“, andererseits zugunsten einer in den heutigen Niederlanden entstehenden eigenen Schriftsprache. Allerdings konnte sich diese „Hochdeutsche Schriftsprache“ nicht ĂŒberall am Niederrhein gleich schnell verbreiten. Über einen lĂ€ngeren Zeitraum existierten in manchen StĂ€dten (u. a. in Geldern, Kleve, Wesel, Krefeld) Deutsch und NiederlĂ€ndisch nebeneinander, und Erlasse wurden in beiden Schriftsprachen herausgegeben.cite-ref-6[6]cite-ref-hantsche-66-7-0[7]

Ab dem 18. Jahrhundert war die sprachliche Trennung zwischen (deutschem) Niederrhein und (niederlĂ€ndischem) Maasgebiet abgeschlossen. Die jeweiligen Hoch- und Schriftsprachen gingen getrennte Wege. NordniederfrĂ€nkisch und SĂŒdniederfrĂ€nkisch als gesprochene Mundarten ĂŒberdauerten aber die neuen Grenzen und hielten sich bis in die Neuzeit.cite-ref-hantsche-66-7-1[7]cite-ref-8[8]

Literatur

‱ Georg Cornelissen, Peter Honnen, Fritz Langensiepen (Hrsg.): Das rheinische Platt. Eine Bestandsaufnahme. Handbuch der rheinischen Mundarten, Teil 1: Texte. Rheinland-Verlag, Köln 1989, ISBN 3-7927-0689-X.
‱ Arnold KnĂŒfermann: Grafschafter Mundartlexikon. Leben und Arbeiten in der alten Grafschaft Moers. Rheinland-Verlag, Köln 1993, ISBN 3-7927-1056-0.
‱ JĂŒrgen Macha, Elmar Neuss, Robert Peters (Hrsg.): Rheinisch-westfĂ€lische Sprachgeschichte. Köln/Weimar/Wien 2000.
‱ JĂŒrgen Macha: Rheinische SprachverhĂ€ltnisse im 17. Jahrhundert. In: Rheinische VierteljahrsblĂ€tter 57, 1993, S. 158–175.
‱ Klaus J. Mattheier: Gibt es eine regionale Sprachgeschichte der Rheinlande? In: Werner Besch, Hans Joachim Solms (Hrsg.): Regionale Sprachgeschichte. Berlin 1998, S. 144–151 (ZdPh. 117, Sonderheft).
‱ Rudolf SchĂŒtzeichel: Mundart, Urkundensprache und Schriftsprache. Ein Beitrag zur rheinischen Sprachgeschichte. 2. Auflage. Bonn 1974 (Rheinisches Archiv 54).
‱ Charlotte (Hendrina Elisabeth) Giesbers: Dialecten op de grens van twee talen: een dialectologisch en sociolinguĂŻstisch onderzoek in het Kleverlands dialectgebied. Reijngoudt-Giesbers, Groesbeek 2008, ISBN 978-90-813044-1-2 (niederlĂ€ndisch; Dissertation Radboud Universiteit Nijmegen, 2008; online).
‱ Charlotte Giesbers, Roeland van Hout, RenĂ©e van Bezooijen: De staatsgrens als breukvlak in het Kleverlands dialectcontinuĂŒm. In: Jaarboek van de Vereniging voor Limburgse Dialect- en Naamkunde, Band 8, 2006, S. 15–35 (niederlĂ€ndisch; online).
‱ Heinrich Neuse: Studien zur niederheinischen Dialektgeographie in den Kreisen Rees, Dinslaken, Hamborn, MĂŒlheim, Duisburg. In: Deutsche Dialektgeographie. Heft VIII, Marburg 1915.
‱ Ferdinand Wippermann: Englisch und Plattdeutsch mit besonderer BerĂŒcksichtigung der Mundarten des RuhrmĂŒndungsgebietes. Praktische ErgĂ€nzung zur englischen Grammatik. Johs. Graffmann, Duisburg-Meiderich 1914 (online).
‱ Das Duisburger Stadtrecht 1518. Herausgegeben von Arend Mihm und Michael Elmentaler. Walter Braun, Duisburg 1990.
‱ Heinrich Neuse: Studien zur niederheinischen Dialektgeographie in den Kreisen Rees, Dinslaken, Hamborn, MĂŒlheim, Duisburg. In: Deutsche Dialektgeographie. Heft VIII, Marburg 1915.
‱ Englisch und Plattdeutsch mit besonderer BerĂŒcksichtigung der Mundarten des RuhrmĂŒndungsgebietes. Graffmann, Duisburg 1914.

Weblinks

‱ Cleefs: Mundart des unteren Niederrhein (Memento vom 19. Mai 2001 im Internet Archive)
‱ plattsatt – Mundart in Kleve und anderswo
‱ Petitie voor behoud Kleverlands in Gelderland gestart [Petition zur Erhaltung des KleverlĂ€ndischen in Gelderland gestartet] (niederlĂ€ndisch; 2. Juni 2023)
‱ KleverlĂ€ndisch / Kleverlands. LVR-Institut fĂŒr Landeskunde und Regionalgeschichte, abgerufen am 11. September 2023.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Europarat: EuropĂ€ische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Siehe: Treaty No.148 - European Charter for Regional or Minority Languages und mithin Reservations and Declarations for Treaty No.148 - European Charter for Regional or Minority Languages: „The Kingdom of the Netherlands declares [...] that the principles enumerated in Part II of the Charter will be applied to the Limburger language used in the Netherlands.“
cite-note-22. ↑ Heinz Eickmans: Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden), Unterkapitel Limburgisch. In: Franz Lebsanft, Monika Wingender (Hrsgg.): EuropĂ€ische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen: Ein Handbuch zur Sprachpolitik des Europarats. Walter de Gruyter, Berlin/Boston, 2012, S. 153ff., hier S. 163: „Das als Regionalsprache der Niederlande anerkannte Limburgische [...]“
cite-note-33. ↑ Willy Sanders: Gerts van der SchĂŒren ‚Teuthonista‘ und die historische Wortgeographie. In: Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsche BeitrĂ€ge. Festschrift fĂŒr Felix Wortmann zum 70. Geburtstag. Reihe Niederdeutsche Studien, Band 23 (1976), S. 48.
cite-note-44. ↑ Theodor Frings, Gotthard Lechner: NiederlĂ€ndisch und Niederdeutsch. Berlin 1966, S. 21 ff.
cite-note-55. ↑ Bestaande dialectgrenzen Limburg kloppen niet. In: Radboud Universiteit. (ru.nl [abgerufen am 29. April 2018]).
cite-note-66. ↑ Georg Cornelissen: Kleine Niederrheinische Sprachgeschichte (1300–1900). Verlag B.O.S.S-Druck, Kleve, ISBN 90-807292-2-1, S. 62–94.
cite-note-hantsche-66-77. ↑ Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins. Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie, Band 4, ISBN 3-89355-200-6, S. 66.
cite-note-88. ↑ Dieter Heimböckel: Sprache und Literatur am Niederrhein. Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie, Band 3, ISBN 3-89355-185-9, S. 15–55.